Die Villa Farnese wurde um 1550 am Südostabhang der
Monti Cimini errichtet, einem dicht bewaldeten
vulkanischen Hügel etwa 60 Kilometer nordwestlich von Rom. Ihr rotgoldener Stein glitzert in der Landschaft, seine Pfeiler stützen den
Piano Nobile, und erst darüber thront mit zwei weiteren Etagen die Villa selbst. Wenn die
Villa Capra ("La Rotonda") entworfen wurde, um sich in die Landschaft einzupassen, dann wurde die Villa Farnese errichtet, um ihre Umgebung zu dominieren.
Die Villa ist eines der besten Beispiele der Architektur der Renaissance. Sparsam eingesetzte Ornamentik unterstützt die Proportionen und die Harmonie. Das an den Stil des
Manierismus angelehnte Bauwerk stellt stilistisch eine Reaktion auf die überladene Architektur der Hochrenaissance dar. Der Architekt, den Alessandro 1550 für diesen schwierigen und unwirtlichen Bauplatz aussuchte, war der
Bologneser Giacomo Barozzi da Vignola, der in seiner Jugend stark von
Michelangelo beeinflusst worden war. Seine Pläne sahen ein
Pentagon vor, das um einen kreisrunden mit
Kolonnadeeingefassten Hof gebaut werden sollte, ein einzigartiger Plan. In dem Hof flankieren paarweise
ionische Säulen Nischen mit Büsten
römischer Kaiser. Die Galerie und die oberen Stockwerke werden durch fünf spiralförmige Treppenhäuser erreicht, darunter die wichtigste, die
Scala Regia, die zu den Haupträumen führt.
Von außen nähert man sich der Villa Farnese durch Stufen, die an der Piazza des Ortes beginnen. Die Reihe von Terrassen beginnt mit dem Untergeschoss (
Sotteranei), das in den
Tuffstein gegraben wurde, umgeben von steilen gewundenen Treppen, die zur nächsthöheren Terrasse führen. Dieses Untergeschoss erscheint als Reihe von Stützpfeilern und –mauern, große, schwere und vergitterte Türen in den Mauern scheinen ins Innere des Hauses zu führen, während über ihnen eine gebogene, mit einer Brüstung versehene doppelte Außentreppe zur Terrasse darüber führt, die wiederum die doppelte Treppe zum Haupteingang auf der 'Piano dei Prelati'-Etage aufweist. Diese einer Bastion ähnliche Etage (die wie ein zweites Erdgeschoss aussieht) ist zurückgesetzt, der Hauptzugang ein strenger Bogen, von drei Fenstern zu jeder Seite flankiert.
Darüber ist das doppelstöckige Piano nobile, fünf enorme Bogenfenster dominieren unpassend die Eingangsfassade, darüber weitere zwei Etagen, die zahlreichen Fenster durch zurückgesetzte Pfeiler unterteilt.

Ein Fresko aus dem „Kartensaal“

Fresken von Taddeo Zuccari
Die Haupttreppe
Scala Regia ist eine elegante Stufenspirale, die von Säulenpaaren im
dorischen Stil gestützt wird, von
Antonio Tempesta mit
Freskenversehen wurde, und durch die drei Etagen hindurch führt.
Auf dem
Piano nobile befindet sich eine Reihe von zwölf Repräsentationsräumen, die für die Fresken der Brüder
Taddeo Zuccari und
Federico Zuccariberühmt sind. Die Fresken porträtieren Personen wie
Alexander den Großen,
Herkules und natürlich die Familie Farnese selbst: in der
Halle der farnesischen Annalen, die von den Zuccari-Brüder gestaltet wurde, sind die Farnese in ihrem prächtigsten Moment gemalt, vom Boden bis zur Kassettendecke. Ein weiterer erstaunlicher Raum ist der Sommerspeisesaal, ebenfalls mit Fresken, aber auch grottenähnlich skulptiert.
Die Gärten der Villa sind beeindruckend wie die Villa selbst. Das Festungsthema der Villa wird in einem Graben und drei Zugbrücken fortgesetzt, die Gärten schließen sich an den Graben an. Der untere Garten, wo einmal ein grottenartiges Theater gestanden hat, wird von einer Zugbrücke an der Terrasse des
Piano nobile erreicht. Ein Gang durch den Wald von hier aus führt zum bekannten
Casino, einem kleinen bewohnbaren Sommerhaus. Eine
Catena d'acqua (eine Art Rinnsal mit Kaskaden) fließt von der
Loggia des Casinos zu den Fontänen darunter.
Alessandro Farnese starb 1589 und hinterließ den Besitz seinen Verwandten, den Herzögen von
Parma. Es wurde ruhig in der Villa, des Kardinals berühmte Sammlung wurde nach dem Aussterben der Familie (1731) durch die Erben nach
Neapel gebracht (siehe:
Farnesische Sammlungen). In der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts wurde die Villa eine Zeit lang die Residenz des Thronerben des jungen
italienischen Königreichs.
Heute sind das Casino und die Gärten eine der Residenzen des italienischen Staatspräsidenten. Die leere Villa, im Besitz des Staates, ist öffentlich zugänglich. Die zahlreichen Räume, Salons und Hallen mit all ihrem Marmor und ihren Fresken, die Architektur der großen, einem Palazzo ähnlichen Villa sind weiterhin so beeindruckend und beängstigend, wie sie es von Anfang an sein sollten.